| 28. Juli 2008 Straßenkinder Straßen-Kinder.
Allein die Wortkombination lässt einen erschaudern, denn hier passt
nichts zusammen: Mit dem Begriff Strasse assoziiere ich nicht eine
behütete Kindheit, die Fürsorge zu Hause, die Liebe der Mutter,
das unbeschwerte Spielen, sondern Kampf ums Überleben, Schutzlosigkeit
und Gefahr. Die Zahlen zu Straßenkindern in Indien sind
widersprüchlich, aber eigentlich auch egal. Ob es nur 236 oder
zehntausend Straßenkinder in der Stadt Vijayawada sind oder 10
Millionen in ganz Indien. Jedes einzelne Kind ist zuviel. Wie ist es möglich, dass Kinder jahrelang, unbehelligt auf der Straße leben können? Warum werden sie nicht schon nach Tagen von Sozialarbeitern, der Polizei und Hilfsorganisationen aufgegriffen und den Eltern zurückgebracht? So lauteten unsere naiven Fragen an ehemalige Straßenkinder und an die Leute von Care & Share in Vijayawada. Nachdem wir dann den Geschichten der Kinder und Helfer zugehört hatten, konnten wir uns ein Bild machen: In Indien, wie sicherlich in vielen anderen Ländern, ist das Dasein als Straßenkind nur eine andere Möglichkeit aufzuwachsen. Für einige der betroffenen Kinder schien es die bessere Wahl, als von den Eltern oder Stiefeltern verprügelt, missbraucht oder einfach nur vernachlässigt zu werden. Hinzu kommt, dass Straßenkinder wohl ein notwendiger Teil der indischen Ökonomie sind. Viele kleine Ladenbesitzer, Teestubenbetreiber und andere Kleinunternehmer greifen auf Straßenkinder zurück, um kurzfristig billig und ohne Probleme Arbeiten durchführen zu lassen. Es gibt in Vijayawada eine Jobbörse für Straßenkinder. An einer Brücke im Stadtzentrum warten die Kinder auf die Arbeitgeber, die vom Auto oder Motorrad aus das Angebot betrachten und ihre Auswahl für den Tag treffen. Der Anblick von herumlungernden, ungewaschenen, in Lumpen gekleideten und bettelnden Kindern ist für jeden Ordnungshüter eine Zumutung. Folglich werden immer wieder solche Kinder aufgegriffen. Aber wohin damit? Hier wird symbolisch Politik gemacht - nach dem Motto: Aus den Augen aus dem Sinn - werden die Straßenkinder in die sog. „Observation homes“ gesteckt. Die störenden Jugendlichen werden einfach weggesperrt. Es ist nichts anderes als ein Jugendknast ohne Gerichtsverhandlung, ohne Rechtsbeistand aber mit Höchststrafe: Einsperren bis zur Volljährlichkeit ohne ein Verbrechen begangen zu haben. Dieses Schicksal hätte auch Raja geblüht, wenn Care & Share ihn nicht gerettet hätte. Get the
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Indien hat übrigens die Kinderrechtskonvention unterschrieben. Einer der zahlreichen Artikel (27) lautet: „Die Vertragsstaaten erkennen das Recht jedes Kindes auf einen seiner körperlichen, geistigen, seelischen, sittlichen und sozialen Entwicklung angemessenen Lebensstandard an.“ 21. Juli 2008 Jeden Tag ein Glas Milch Die
Urbanisierung der Welt geht in einem rasanten Tempo vonstatten. Das
hatte selbst der pessimistische Report des Clube of Rome aus dem Jahre
1972 (Die Grenzen des Wachstums) nicht erwartet. Der Autor Mike Davis
spricht schon von einem „Planet der Slums“. Es wohnen vermutlich schon
mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Kein Wunder, dass in einer
der namenlosen indischen Millionenstädte wie z. B Vijayawada die
Stadtverwaltung mit den Folgen der Urbanisierung völlig überfordert
ist. Politiker greifen dann zu sog. „Slum Clearing“ Projekten und bauen
Billigunterkünfte auf der grünen Wiese. Ein konkretes Beispiel: Im Mai 1999 wurden ungefähr 3000 Familien aus den innerstädtischen Slums Autonagar, Krishnalanka, Ranigarithota und Kalvakatta über Nacht ohne Vorwarnung an einen Platz in den Außenbezirk der Stadt umgesiedelt. So entstand Kandrika. Jegliche Infrastruktur fehlte. Es gab keine Kanalisation, keine Schulen, keinen Arzt. Hier setzte die Arbeit von Care & Share an: Regelmäßig führt Care & Share in Kandrika medizinische Camps durch, organisiert Impfprogramme, bietet freie Zahnbehandlung und finanziert hunderte von Operationen. Zusätzlich hat Care & Share Schulen gebaut und finanziert die Lehrer. Für die Vorschulkinder verteilt Care & Share seit Jahren Milch. Seit drei Wochen wird das Milchverteilungsprojekt von Care & Share auf der ersten Seite bei Globalgiving http://www.globalgiving.com präsentiert und hat bereits 3275 Dollar Spenden bekommen. 16. Juli 2008 Wie Jothi dem Teufelskreis aus Armut und Prostitution entkommt Der letzte G8 Gipfel in Toyako
auf Hokkaido in Japan war für die Ureinwohner der Insel eine perfekte
Möglichkeit, der Weltöffentlichkeit zu zeigen, dass auch die Japaner
ihr „Ureinwohnerproblem“ haben. Und vielleicht hat auch die indische
Delegation, die zum Thema Klimawandel eingeladen war, mitbekommen, dass
die Ureinwohner ihre Rechte als Staatsbürger einfordern. Die Inder
mögen sich gedacht haben, dass sie ihr Problem mit den Ureinwohnern
bereits gelöst haben. Schließlich sieht ihre Verfassung vor, dass die
über 600 „scheduled tribes” nicht benachteiligt werden dürfen.
Kommentar am 13. Juli um 17:55
von Clarisse GarlotDie Realität sieht anders aus. In der Millionenstadt Vijayawada sind es gerade die ethnischen Minderheiten, die am Ende der sozialen Leiter stehen. Damit nicht genug, sie sind es auch, die als Prostituierte im prüden Indien arbeiten. Das, was wir von Jothi und ihrer Mutter im Video erfahren, zeigt uns, dass der alte politische Reflex immer noch gilt: Kann ich ein Problem nicht lösen, so schaffe ich es aus den Augen - und damit aus dem Sinn. Ganz anders die Organisation Care & Share, die das Problem mit Bildung angeht. ...
habe mir Euren Internetauftritt angeschaut.... "chapeau", wie die
Franzosen sagen! Ihr habt toll gearbeitet... Ich wünsche Euch vom
Herzen viel Erfolg! .... und werde Euch natürlich weiterempfehlen, wo
ich kann. 8. Juli 2008 Herzlich Willkommen, Care & Share Deutschland e.V. Seit
ungefähr zehn Jahren haben wir nun unsere indischen Patenkinder und
auch zu unserer Hochzeit 2001 war es für uns selbstverständlich statt
Geschenke Spenden für die Organisation Care & Share zu sammeln.
Care & Share ist auf den ersten Blick nur eine weitere NGO. Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen sind in den letzten drei Jahrzehnten entstanden, die heute einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung von Armut, Unterentwicklung und Umweltzerstörung leisten. Nachdem das Scheitern der staatlichen Entwicklungshilfe und das Misslingen der großen internationalen Organisationen wirklich nicht mehr zu übersehen war, ist es heute an den Bürgern zu zeigen, dass es bessere Wege der Entwicklungszusammenarbeit gibt, als die Erklärungen der G8 oder der UN Organisationen wie z. B. der ILO (siehe dazu SZ vom 8.7.2008 mit einem zutreffenden Artikel von Norbert Blüm). Care & Share ist auch die Geschichte einer amerikanischen Frau und eines indischen Mannes, eines ehemaligen Priesters. Ein Ying und Yang ganz besonderer Art, eine interkulturelle erfolgreiche Zusammenarbeit. Konkret: Care & Share sind Carol Faison und Noel Harper, bzw. Mami und Daddy für die verlassenen Kinder von Vijayawada. Beide zusammen haben über mehr als 15 Jahre eine funktionierende Organisation geschaffen, die auf drei Kontinenten Menschen in der Arbeit für Kinder, Behinderte und Benachteiligte vereint. So global wie die Organisation aufgestellt ist mit ihren Unterstützern in den USA und in Europa, so lokal und fokussiert agiert Care & Share in Vijayawada. Mit Recht, zeigt sich doch in dieser namenlosen indischen Millionenstadt all das an Elend, Ausbeutung und Hoffnungslosigkeit, was wir im Westen glaubten, überwunden zu haben. Indien ist trotz vieler wirtschaftlicher Erfolge immer noch ein bitter armes Land. Care & Share ist somit ein Beispiel, wie die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen für den Zustand der Welt das Schicksal vieler tausend Kinder ganz konkret verbessert hat. Care & Share ist mehr als eine weitere, kleine, überflüssige NGO, die um Gelder spendenwilliger Menschen konkurriert. Care & Share ist eine schlichte Notwendigkeit. Wenn Care & Share in Vijayawada nicht hilft, dann tut es dort keiner. Wir haben jetzt den gemeinnützigen eingetragenen Verein Care & Share Deutschland ins Leben gerufen, um unseren Beitrag zu leisten. Kommentar am 8. Juli um 2:42 von Gerlinde Schwarz Ich
finde, das Ihr sehr schoene Filme produziert.Ihr zeigt die Menschen in
einem angenehmen Licht und ich finde es GUT, dass die Intimsphaere
derjenigen total respektiert wird!!
Der Schrecken der Armut, Krankheit und Niedertracht auf dieser Welt wird dadurch genommen und fuehrt die Zuschauer dazu wirklich handeln zu wollen (das Wort "wollen" ist sehr wichtig)!!!Wunderbar!! Ausserdem schaetze ich Eure Sichtweise der Dinge und wie Ihr damit umgeht.Ich kann nur sagen: Respekt!!!Eure Filme sind sehr weich und angenehm. Sie zeigen zwar die unangenehme Realitaet, aber auch das, was durch Hilfe von Aussen passiert!! Frei nach dem Motto: ACT LOCAL, THINK GLOBAL! GUT!GUT!GUT!!
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