Unsere Privatinitiative up4girls

Alles fing damit an, dass wir 2006 für das Evangelische Fernsehen eine Dokumentation über ein deutsches Tsunami-Hilfsprojekt filmten. Wir waren zum ersten Mal in Indien und überwältigt von der Armut. Gleichzeitig faszinierten uns die Menschen, wir wollten mehr über ihr Leben erfahren. Und wir hatten Glück: Wir konnten länger vor Ort bleiben als es für den Film erforderlich gewesen wäre.

Mit der Zeit entwickelt sich eine Freundschaft zu dem Kind einer Putzfrau aus einem Hilfsprojekt. Das zehnjährige Mädchen Kalaiselvi beeindruckt uns mit seiner sozialen Einstellung. Sie sorgt dafür, dass alle Kinder gleich viel zu Essen bekommen und verteilt gerecht die mitgebrachten Süßigkeiten. Sie ist es auch, die uns eines Tages zu sich nach hause einlädt.

In ihrer Familie erfahren wir eine Menge über das alltägliche Leben von Dalits. Die sog. Unberührbaren leben am Rande der Gesellschaft, besonders Mädchen sind sozial benachteiligt. So wird z. B. der jüngere Bruder in eine Privatschule geschickt, während Kalaiselvi auf einer staatlichen Schule so wenig lernt, dass sie nicht einmal ihren Namen schreiben kann.

Natürlich wollen wir das ändern, aber inwieweit dürfen wir uns einmischen? Wir entscheiden uns, für das Mädchen eine gute Schule zu suchen und ihren Berufswunsch - sie will Ärztin werden - zu unterstützen. Aber leichter gesagt, als getan. Selbst Privatschulen weigern sich, eine so schlechte Schülerin aufzunehmen. Also müssen wir erst Nachhilfe organisieren. 

Wir hatten uns das alles wesentlich leichter vorgestellt. Aber richtig kompliziert wird es, als wir uns fragen, wer dem Mädchen hilft, wenn wir wieder in Deutschland sind? Wir können nicht einfach das Schulgeld dem Vater geben, der uns gleich zu Anfang um ein Moped bittet. Wir sind uns nicht sicher, ob er das Geld nicht für sich oder die Ausbildung des Sohnes verwenden wird. Ob das Misstrauen gerechtfertigt ist oder nicht, wir brauchen „unabhängige“ Personen, die unser Geld zielgenau ausgeben. Endlich finden wir Vertrauenspersonen und hoffen, dass alles so läuft, wie wir uns das vorstellen ...

Thumbs up: Feiern und dabei Gutes tun

... nicht vorstellen konnten wir uns, dass Erzählungen und erste Videos über Kalaiselvi zum Thema einer Geburtstagsfeier in München wurden. Das Geburtstagskind Tom Barthel (www.barthelwein.de) wünschte sich von seinen Freunden statt Geschenke je 10 Euro. Die 750 Euro, die zusammenkamen, gab er uns dann für Kalaiselvis weitere Schulausbildung. Damit sind zwei Schuljahre gesichert, wofür wir uns im Namen - auch von Kalaiselvi - noch einmal ganz herzlich bedanken möchten. Thumbs up für eine solch kreative Geburtstagsidee, die nicht nur allen Beteiligten Spaß gemacht hat, sondern auch bis nach Südindien wirkt. Bis heute fragt Kalaiselvi jeden Sonntag, wenn wir mit ihr telefonieren, wie es unserem Freund Tom geht ...