3 Kinder, 2 Paten und 1 Baby

Ein Film von Petra Dilthey und Uli Schwarz

Länge: 30 Minuten
Synopsis:

Um Pate zu werden, genügt eine Überweisung im Jahr. Aber stell Dir vor, Du besuchst Deine indischen Patentkinder vor Ort und eins davon ist nicht mehr da? Wie geht es Dir, wenn Dein Baby, das Du „adoptiert“ hast, einen „AIDS-Test“ machen muss?

Der Film ist eine persönliche Reise vom distanzierten Geldgeber zum engagierten Unterstützer von Kindern der Hilfsorganisation Care & Share in Vijayawada, Südindien. Es ist die Geschichte von Prem, Linda, Chaitany und Joseph und von Petra Dilthey und Uli Schwarz, die 2008 den Förderverein Care & Share Deutschland e.V. gegründet haben.


Zusammenfassung:

Vijayawada 2006
Prem ist mit 12 Jahren unser erster und ältester indischer Patensohn. Er lebt mit sei­ner Familie in Vijayawada in einem Slum. Wir unterstützen ihn über die Organisation Care & Share seit 1999. Seit 2001 haben wir zwei weitere Patenkinder, Chaitanya und Joseph. Bisher zahlten wir für jedes Kind 250 Euro im Jahr. Dafür erhalten sie Nahrung, Kleidung, medizinische Versorgung und eine Schulausbildung.


Im Februar 2006 besuchen wir unsere Patenkinder zum ersten Mal. Zwei Wochen leben wir im Waisenhaus von Care & Share mit über 500 Kindern. Es gehört zur Philosophie der Organisation, dass die Paten bei der Arbeit mithelfen. Auf der Baby­station kümmern wir uns gleich um die kleine Linda. Sie wurde am Abend zuvor ins Waisenhaus gebracht, da die Mutter bei der Geburt gestorben war. Linda ist 10 Tage alt.

Am folgenden Tag besuchen wir den Slum Kandrika. Hier lernen wir unsere Paten­kinder Joseph und Chaitanya kennen. Endlich können wir uns davon überzeugen, wie und wo sie mit ihren Eltern und Geschwistern leben. Nur Prem fehlt. Wie sich später herausstellt, ist er nach der Tren­nung der Eltern vor drei Jahren mit seiner Mutter zurück zur Großmutter aufs Land gezogen. Wieso ha­ben wir aber trotzdem Briefe mit Photos er­halten und nicht die Nachricht über sein Verschwinden? In solchen Fällen müssten doch die Paten be­nachrichtigt und die Patenschaft beendet werden?

Wir erleben den Alltag im Waisenhaus und sehen, dass der Campus für die 500 Wai­senkinder sauber und gut organisiert ist. Trotz der enttäuschenden Erfahrung mit Prem entschließen wir uns, Linda zu „adoptieren“. Am liebsten würden wir sie mit nach München nehmen. Allerdings sind in Andrah Pradesh seit 2001 In- und Aus­landsadoptionen verboten: Skru­pellose Händler hatten Frauen einer ethnisch-hell­häutigen Minderheit als Gebärma­schinen missbraucht und mit dem Menschenmate­rial gut verdient. So bleibt uns nur eine „moralische“ Adoption à la Care & Share: Für 1000 Euro im Jahr wird Linda in Daddy`s Home unter guter Betreuung hoffentlich zu einer selbstbewussten jungen Frau heranwachsen und wir werden sie so oft wie möglich besuchen. Plötzlich taucht Prem in Begleitung seiner Mutter auf. Er hat quasi drei Jahre ver­loren und von unserer finanziellen Unterstützung für die Schul­ausbildung nichts ge­habt. Prem will in Daddy`s Home bleiben und unter Aufsicht das nachholen, was er ver­passt hat. 
                                                                          
Vijayawada 2007
Wir besuchen Linda auf der Babystation. Sie ist Teil un­seres Lebens geworden und wir haben sie bereits in unserem Testament berück­sichtigt. Linda ist ein gesundes, unkompliziertes Baby und wo es Nahrung gibt, ist sie die Erste.

Chaitanya und Joseph bekommen ihre verspäteten Weihnachtsgeschenke: Fahr­rä­der. Anschließend begleiten wir sie in den Slum Kandrika. Auf einem Raum von höchstens zehn Quadratmetern lebt Chaitanyas 10köpfige Familie. Wie sie das ma­chen, ist uns unvorstellbar. Chaitanya möchte später Kardiologin werden, weil ihre Mutter über Herzprobleme klagt und Chaitanya sie heilen möchte.
 
Prem will professionel­ler Fußballspieler werden. Ansonsten scheint er seine Chancen in Daddy`s Home ungenutzt verstreichen zu lassen. In der Schule ist er faul und seine Versetzung ist gefährdet. Ent­täuscht, aber auch entschlossen, diese bei­den Wochen zu nutzen, geben wir ihm morgens und abends Nachhilfeunterricht. Ohne Erfolg! Er lässt uns warten, bereitet sich nicht vor, ist unkonzentriert. Wir denken dar­über nach, die Förderung zu beenden und ihn zurück zu seiner Mutter zu schicken.
             
Seid dem 10. Januar 2007 sind Inlandsadoptionen wieder möglich und – es gibt ein indisches Ehepaar, das Linda adoptieren möchte: Die 38jährige Pramira ist Hausfrau mit Computer­diplom, der 43jährige Prasad Ingenieur. Beide sind seit 16 Jahren ver­heiratet und hatten al­les versucht, ein Kind zu bekommen.
       
Linda hat Glück. Sie kommt in eine intakte, gebildete Familie, in der es ihr an nichts fehlen wird. In eine Familie, die sich sogar freiwillig für ein Mädchen entscheidet. Wir freuen uns für Linda und gleichzeitig tut es so weh, sie im Arm ihrer neuen Mutter zu sehen.

Die Kinder von Daddy`s Home schreiben Abschiedsbriefe an uns, sehr liebevoll, sehr aufwendig und mit der Bitte, sie nicht zu vergessen. Sie fürchten, dass wir nach den Enttäuschungen mit Prem und dem Verlust von Linda nicht mehr wiederkommen. Doch im Gegenteil: Sie haben uns geholfen, eine neue Perspektive zu gewinnen: Jenseits der individuellen Patenschaften sind sie uns alle ans Herz ge­wachsen und wir können uns ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen. Deshalb haben wir 2008 den Förderverein Care & Share Deutschland e.V. gegründet.


Kommentar:


Die Gründerin von Care & Share, Carol Faison, die diesen Film an über 6000 Sponsoren geschickt hat, schreibt uns:

"Just to tell you that so many sponsors are thanking us for the wonderful DVD which helps them to understand what they are really doing and what sponsorship is all about.  Most say that they really did not "get it" before and this clarified so many questions and doubts they had before! What a wonderful opportunity for us to show our program through this DVD!  What I like about it is that it is so honest. We are not showing everything with pink ribbons. We are showing the good and the bad ... the successes and also the disappointments and sadness. My feeling is that when we are truthful with people, we cannot go wrong."